Val di Pesa und Val Orme im Wandel

Ein integrierter Ansatz zur Erforschung

Projektbeschreibung

Das nördliche Binnenland Etruriens ist eine der am wenigsten bekannten Regionen speziell des römischen Italien. Das vom Fonds für Wissenschaftliche Forschung (FWF) geförderte Vienna Virginio Orme and Pesa Valley Project (VOPP) möchte seit 2015 diese Situation ändern und untersucht eine Mikroregion südlich von Empoli entlang der Arno-Zuflüsse Orme und Pesa. VOPP versteht sich als landschaftsarchäologisches Projekt mit einem stringenten methodischen Vorgehen in Verbindung mit klaren Untersuchungszielen und Fragestellungen. 

Überblickskarte mit den im Zuge des Forschungsprojektes untersuchten Gebieten in der Toskana

VOPP: Projektgebiet (Karte: Dominik Hagmann | Natural Earth | Esri 2016)

Detailkarte mit den im Zuge des Forschungsprojektes untersuchten Gebieten in der Toskana

VOPP: Untersuchte Gebiete 2015–2016 (Karte: Dominik Hagmann | Natural Earth | Esri 2016)

Das übergeordnete Ziel von VOPP ist es, Veränderungen und Kontinuitäten in der Landnutzung und allgemein menschlicher Aktivitäten in der Landschaft aufzuzeigen, wobei Landschaft als dynamisches Konzept verstanden wird und sich Landschaft und menschliches Verhalten gegenseitig beeinflussen. Als einzelne Themenkomplexe werden behandelt:

  • wechselnde (oder gleichbleibende) Formen der Landnutzung und die damit verbundenen Prozesse 
  • Probleme der Definition und Kategorisierung von Fundstellen, vor allem von Villen und die Etablierung von ‚Villenlandschaften‘
  • das Verhältnis zwischen Stadt (das römische Empoli) und Land (Val di Pesa, Val di Vergigno, Val di Vergigno und Val Orme)
  • der von unterschiedlichen Faktoren abhängige, d.h. differierende Gebrauch von materieller Kultur 

Der zeitliche Rahmen reicht von der etruskischen Zeit bis in das frühe Mittelalter, wenngleich der Fokus auf der Periode von der späten Republik bis in die Spätantike liegt (150 v. Chr. – 400 n. Chr.) liegen wird. Somit zeichnet VOPP die Etablierung, Intensivierung, Konsolidierung und den eventuellen Niedergang einer römischen Landschaft nach, wobei, um den Charakter der Landschaft bestimmen zu können, das Aufkommen bzw. Verschwinden spezifischer Institutionen wie Villen und Kulturtechniken im Kontext der Verwendung materieller Kultur (Produktion, Verbreitung und Gebrauch) zu untersuchen ist.  

Das Projekt ist dezidiert interdisziplinär angelegt. Um Landnutzung und Landschaftsentwicklung zu untersuchen, wird ein mehrstufiges, auf mehrere räumliche Ebenen bezogenes Bündel von Forschungsaktivitäten angewandt und es werden systematisch Daten aus einer Vielzahl von Quellen analysiert. Durch die Kombination der einzelnen Methoden kann die Lücke zwischen Ausgrabungen, Keramikanalysen, geophysikalischen Prospektionen und systematischen on-site-Surveys mit ihrem Fokus auf einzelne Fundplätze einerseits und intensiven off-site-Surveys, extensiven remote sensing-Surveys und geoarchäologischen Untersuchungen mit einem weiteren geographischen Rahmen andererseits geschlossen werden. Studien des archäologischen Fundmaterials sowie von Pflanzen- und Tierresten im Kontext mit geoarchäologischen Analysen werden wichtige Einsichten in die Mensch-Landschaft-Beziehungen und eine gut begründete Vorstellung von Lebensweisen an verschiedenen Fundplätzen erlauben, die Status und Funktion bedingen.

Die Anwendung verschiedener Modelle und die in allen Phasen offen geführte Diskussion und Präsentation der zum Einsatz kommenden Methoden werden in Kombination mit einer ausgefeilten Strategie zur Verbreitung von Ergebnissen dazu führen, dass VOPP über die Erforschung des nördlichen Etruriens einen wichtigen Beitrag zu Landschaftsarchäologie, Surveymethodik und Analyse materieller Kultur liefern wird.